Dr.
Arthur Schnitzler

Schriftsteller und Arzt

* 1862   † 1931

 

Herkunft, Schule, Matura, Medizin-Studium

Arthur Schnitzler wurde am 15. Mai 1862 in Wien geboren. Er war der erste Sohn von insgesamt vier Kindern des jüdischen Laryngologen (Facharztes für Kehlkopf-Erkrankungen) Johann Schnitzler und dessen Gattin Luise, Tochter des Wiener Arztes Philipp Markbreiter. Sein Geburtshaus war in der Praterstraße 16 (Wien 2, Leopoldstadt).

Aus einem großbürgerlichen, jüdischen Elternhaus stammend, absolvierte er das akademische Gymnasium in Wien. Er legte am 8. Juli 1879 die Matura mit Auszeichnung ab. Hernach studierte er an der Universität Wien Medizin.

Promotion, Sekundararzt, Redakteur, literarische Anfänge, "Jung Wien"

Von 1882 bis 1883 diente Arthur Schnitzler als Einjährig-Freiwilliger am Garnisonsspital Wien. Er promovierte im Jahre 1885 zum Dr. med.

Schon bald entstand sein Interesse für Psychologie. 1886 agierte er als Sekundararzt beim Psychiater Theodor Meynert am Wiener Allgemeinen Krankenhaus. Bereits 1887 übernahm er die Redaktion der von seinem Vater herausgegebenen medizinischen Zeitschriften und wurde 1888 dessen Assistent. Diese redaktionelle Aufgabe übte er bis 1894 aus.

Arthur Schnitzler betätigte sich während seiner Funktion als Sekundararzt bereits als literarischer Schriftsteller. In dieser Zeit entstanden etwa die Erzählungen “Welch eine Melodie” (1885), “Er wartet auf den vazierenden Gott” (1886) und “Amerika” (1887)

1890 schloss sich Arthur Schnitzler dem Literatenzirkel um Hermann Bahr an. Dem Schriftstellerkreis “Jung Wien” gehörten auch Hugo von Hofmannsthal und Felix Salten an. Die Treffen fanden im Café Griensteidl statt.

Tod des Vaters, Privatpraxis, "Liebelei", literarischer Durchbruch

Als sein Vater 1893 starb, gab Arthur Schnitzler seine Stellung in der Klinik auf. Er führte eine Privatpraxis. In seinem Fokus stand allerdings seine schriftstellerische Arbeit. Sein besonderes Interesse galt psychischen Erkrankungen, dem Un- und Unterbewussten und psychotherapeutischen Methoden, wie Hypnose und Suggestion.

Einem größeren Publikum wurde Arthur Schnitzler durch die Burgtheateraufführung von “Liebelei” im Jahre 1895 bekannt.

Ebenfalls 1895 gelang Arthur Schnitzler der literarische Durchbruch mit der Novelle "Sterben". Veröffentlicht wurde diese im S. Fischer Verlag in Berlin, womit Schnitzler eine lebenslange Verlagsheimat fand.

Vater eines Sohnes und einer Tochter, verheiratet mit Olga Gussmann

Am 9. August 1902 kam sein Sohn Heinrich Schnitzler (1902 - 1982, Schauspieler und Regisseur) zur Welt. Die Mutter des Kindes, die Schauspielerin Olga Gussmann, heiratete er ein Jahr später am 26. August 1903. Am 13. September 1909 wurde Tochter Lili geboren. Lili nahm sich am 26. Juli 1928 in Venedig, wo sie mit ihrem Mann, dem Offizier Arnoldo Cappellini, lebte, das Leben. Die junge Frau soll von Ehestreitigkeiten der Eltern traumatisiert gewesen sein. Arthur Schnitzler war erschüttert und schrieb in sein Tagebuch: „Mit jenem Julitag war mein Leben doch zu Ende“

Der "Reigen" als großer Theaterskandal

Schnitzlers literarisches Werk zeichnet sich durch Kompromisslosigkeit aus. Das brachte ihm immer wieder Anfeindungen ein. Hervorzuheben ist in diesem Kontext sein Stück “Reigen”, das durch zehn erotische Dialoge gekennzeichnet ist. Die Uraufführungen in Berlin und Wien in den Jahren 1920 und 1921 führten zu einem der größten Theaterskandale, den das 20. Jahrhundert erlebte. Schnitzler musste sich in einem Prozess gegen die Anschuldigung der “Erregung öffentlichen Ärgernisses” verantworten. Er gewann letztlich den Prozess. Dennoch ersuchte er seinen Theaterverlag bereits 1922, keine weiteren Aufführungen des “Reigen” mehr zuzulassen.

"Leutnant Gustl"

1900 wurde “Leutnant Gustl” veröffentlicht. Arthur Schnitzler gestaltete die Erzählung als inneren Monolog. Wahrscheinlich handelte es sich um die erste Erzählung, die durchgehend als innerer Monolog umgesetzt wurde. Weil “Leutnant Gustl” wegen angeblicher Schädigung des Ansehens und Beleidigung der österreichisch-ungarischen Armee beanstandet wurde, kam es zur Aberkennung des Offiziersrangs für Arthur Schnitzler als Oberarzt der Reserve am 14. Juni 1901.

“Leutnant Gustl” zeichnet sich durch den inneren Zwiespalt aus, den der Hauptheld erlebt. Er wird von einem Bäckermeister beleidigt und beschließt darauf hin, sich das Leben zu nehmen. Gustl reflektiert im Wiener Prater über sein Vorhaben und sein fester Vorsatz gerät ins Schwanken. Am frühen Morgen erfährt er bei einem Besuch in seinem Stammlokal, dass der Bäckermeister einem Schlaganfall erlegen sei.

Der Leser vermag es, tief in die Gedankenwelt des Leutnant Gustl vorzudringen, der sich einzig über seine militärische Rolle zu identifizieren scheint. Die Novelle ist meisterhaft gestaltet und neben der “Traumnovelle” wohl das bekannteste Werk von Arthur Schnitzler.

"Fräulein Else"

Der erste Weltkrieg setzte Arthur Schnitzler stark zu, er ließ seine Herkunftswelt zusammen brechen. Schnitzler stimmte nicht in das “Kriegsgeheul” ein und zog sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Die großen Erfolge der Vorkriegszeit waren ihm nur mehr ein Mal vergönnt, als 1924 “Fräulein Else” erschien, ebenfalls - wie “Leutnant Gustl” - im inneren Monolog gehalten.

"Traumnovelle" - eine Annäherung an Freud

Die späte Erzählung “Traumnovelle” ist auch unter dem Gesichtspunkt zu sehen, dass sich Arthur Schnitzler seit 1900 mit den Werken von Sigmund Freud beschäftigte. Schnitzler gilt als größter Seelenkenner in der deutschsprachigen Literatur des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts. Sigmund Freud nannte ihn sogar seinen Doppelgänger und hegte Bewunderung für den Schriftsteller. Für Freud war Schnitzler ein “psychologischer Tiefenforscher, so ehrlich unparteiisch und unerschrocken, wie nur je einer war".

Obzwar Schnitzler und Freud sich wechselseitig wertschätzten, scheuten sie persönlichen Kontakt. Dafür übte Schnitzler heftige Kritik an den Schülern von Freud, diesbezüglich nahm er sich kein Blatt vor den Mund.

Nun, die “Traumnovelle” ist stark sexuell und erotisch konnotiert. Fridolin, ein Arzt, und seine Frau Albertine führen ein scheinbar harmonisches Eheleben. Doch sie hegen beide erotische Sehnsüchte, von denen berichtet wird. Als Fridolin sich schließlich eines Nachts in ein merkwürdiges Treiben hinein verfrachtet sieht, eskalieren die Geschehnisse.

Vertreter des Wiener Impressionismus

Arthur Schnitzler zählte zu den typischen Vertretern des Wiener Impressionismus. Er war nicht nur ein ausgezeichneter Beobachter mit psychologischem Einfühlungsvermögen, sondern ebenso ein ausgezeichneter Stilist von melancholischer und leicht ironisierender Art. Eine Besonderheit seines literarischen Schaffens liegt darin, dass viele seiner Werke explizit im zeitgenössischen Wien spielen. Während Künste und Wissenschaften im Wien der Jahrhundertwende blühten, deckte Schnitzler die psychologischen und sozialen Abgründe hinter der Fassade des Erfolges auf. Er porträtierte im Roman "Der Weg ins Freie" (1908) das assimilierte jüdische Bürgertum auf der Suche nach seiner Identität in der zu Ende gehenden Habsburgermonarchie im Spannunsgfeld zwischen Antisemitismus und Zionismus.

Drehbuchautor, einige Verfilmungen - "Eyes wide shut"

Arthur Schnitzlers Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Er gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern Österreichs. Er schrieb eine Zeit lang auch Drehbücher, einige seiner Werke sind zudem verfilmt worden. Am Bekanntesten ist wohl die Verfilmung der “Traumnovelle” unter dem Titel “Eyes wide shut” durch Stanley Kubrick.

Dramatische letzte Jahre

Die letzten Jahre seines Lebens verliefen für Arthur Schnitzler sehr dramatisch. Die Scheidung 1921 und der Selbstmord seiner Tochter 1928 setzten ihm stark zu. Zudem hatte er ein Gehörleiden.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)

Bauernfeld-Preis für Lebendige Stunden, 1903
Franz-Grillparzer-Preis für Zwischenspiel, 1908
Raimund-Preis für Der junge Medardus, 1914
Volkstheaterpreis für Professor Bernhardi, 1920
Burgtheater-Ring (der Concordia), 1926

Werke (Auswahl)

Erzählungen, Novellen, Romane:

Sterben (Novelle, 1892)
Die Frau des Weisen (Novelle, 1897)
Die Toten schweigen (Novelle, 1897)
Frau Berta Garlan (Roman, 1900)
Leutnant Gustl (Novelle, 1900)
Der blinde Geronimo und sein Bruder (Novelle, 1900)
Das Schicksal des Freiherrn von Leisenhogh (Erzählung, 1903)
Die Fremde (Erzählung, 1903)
Die Weissagung (Erzählung, 1904)
Das neue Lied (Erzählung, 1905)
Der Tod des Junggesellen (Erzählung, 1907)
Der tote Gabriel (Erzählung, 1908)
Der Weg ins Freie (Roman, 1908)
Das Tagebuch der Redegonda (Erzählung, 1909)
Der Mörder (Erzählung, 1910)
Die dreifache Warnung (Erzählung, 1911)
Die Hirtenflöte (Erzählung, 1911)
Casanovas Heimfahrt (Novelle, 1917)
Fräulein Else (Novelle, 1924)
Die Frau des Richters (Erzählung, 1925)
Traumnovelle (Novelle, 1926)
Spiel im Morgengrauen (Novelle, 1926/27)
Therese. Chronik eines Frauenlebens (Roman, 1928)
Abenteurernovelle (Novellenfragment, 1928)
Flucht in die Finsternis (Erzählung, 1931)

Theaterstücke:

Das Märchen (Schauspiel, 1891)
Anatol (Einakterfolge, 1893)
Liebelei (Schauspiel, 1895)
Reigen. Zehn Dialoge (Komödie, 1896/97)
Paracelsus (Schauspiel, 1898)
Der grüne Kakadu (Groteske, 1898)
Die Gefährtin (Drama, 1898)
Freiwild: Schauspiel in 3 Akten (1898, Digitalisat UB Bielefeld)
Der Schleier der Beatrice (Drama, 1899)
Die Frau mit dem Dolche (Drama, 1900)
Lebendige Stunden (Drama, 1901)
Die letzten Masken (Drama, 1901)
Literatur(Drama, 1901)
Der einsame Weg (Schauspiel, 1904)
Der Ruf des Lebens (Drama, 1906)
Komtesse Mizzi oder Der Familientag (Schauspiel, 1909)
Der junge Medardus (Schauspiel, 1910)
Das weite Land (Tragikomödie, 1911)
Professor Bernhardi (Schauspiel, 1912)
Komödie der Worte (Einakterzyklus, 1915)
Fink und Fliederbusch (Komödie 1916)
Komödie der Verführung (Schauspiel, 1924)

Autobiographie:

Jugend in Wien (hrsg. 1968)

Tagebücher:

Tagebuch 1879-1931 (10 Bde., hrsg. 1981-2000)
Briefe 1875-1912 (hrsg. 1981)
Briefe 1913-1931 (hrsg. 1984)

Tod in Folge einer Gehirnblutung

Arthur Schnitzler starb am 21. Oktober 1931 an den Folgen einer Gehirnblutung.

Gedenktafeln

Gedenkbüste

Büste im Wiener Türkenschanzpark nahe Schnitzlers Villa in der Sternwartestraße

Nachruhm

1959/60 wurde der Arthur-Schnitzler-Hof nach ihm benannt. 1971 wurde eine Schnitzler-Büste von Sandor Jaray im Burgtheater enthüllt. Von der „Arthur Schnitzler Gesellschaft“ wird alle vier Jahre der Arthur-Schnitzler-Preis vergeben. Dieser wird vom österreichischen Unterrichtsministerium und der Kulturabteilung der Stadt Wien mit 10.000 Euro dotiert.

Sein Ehrengrab in der Israelitischen Abteilung auf dem Zentralfriedhof

Weblinks

Wir erinnern uns

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